Ein neues Kapitel im Lebensrad 2008
Von Ulla Janascheck
Pluto können wir auch mit der Kraft der dunklen Göttinnen gleichsetzen, Hekate, Durga, Kali, Holda, Holle, Medusa, die Gorgonen und wie sie alle heißen. Ihr Fokus richtet sich nun, da Pluto in die Steinziege gewechselt ist, auf ein neues Kapitel im Lebensrad. Wir konnten die sich anbahnende Veränderung bereits im vergangenen Jahr spüren.
Mir ist bei vielen Frauen eine allgemeine Ermüdung bis hin zur Erschöpfung begegnet, oder auch das Gefühl in einer gewissen Zähigkeit zu leben. Wenig Enthusiasmus, wenig Lust auf neue Abenteuer. Einige haben mit ihren langjährigen Beziehungen oder Ehen gebrochen, andere suchten nach einem tieferen Sinn in ihren tragenden Lebensmustern. Wieder andere glaubten zu stagnieren und fühlten sich überwältigt von ihren Pflichten. Anstrengend war das Jahr für viele und unter dem Strich fiel die Ernte vielleicht auch ein wenig karger aus als in den Jahren zuvor. All dies deute ich zumindest als vorbereitende Zeichen die den Plutowechsel ankündigten. Es scheint eine Phase zu sein, da sich erst einmal alles zusammen zieht bevor es wieder wachsen kann. Manch eine ist jetzt von existenziellen Ängsten geplagt. Die Frage ist aber: Wie können wir das neue Kapitel im Lebensrad entspannt betreten?
Die Steinziege steht auch für unsere tragenden Strukturen die uns ins Leben einbinden und uns Halt geben, für das was wir als sicher annehmen und allen damit verbundenen Bewertungen. Die mythologische „Knochenfrau“ ist hierfür ein gutes Sinnbild. Bis auf´s Skelett reduziert das sie von innen her aufrecht hält, kommt ihre Strahlkraft aus den Knochen, aus der gewonnenen Weisheit in der Begegnung mit- und der Überwindung der ureigenen Angst vor dem Verfall. Sie kommt aus dem Kontakt mit den Ahnen, mit dem Uralten, mit den Gesetzen, die schon immer Gütigkeit hatten.
Knochen verlesen im Alltag
Die Knochenfrau weiß um ihre Einzigartigkeit! Nachdem alles verloren ist, auch das Fleisch das normalerweise die Knochen verhüllt, spricht sie aus den Knochen heraus. Sie beruft sich auf das was nach ihrem Tod noch überlebt. Sie schafft für sich Wahrhaftigkeit die das Vergängliche überdauert. Sie kennt ihre Essenz und manifestiert sie in jeder Form.
Das Kapitel der Steinziege ist ernsthafter Natur. Das Auge der dunklen Göttinnen scheint in es hinein und prüft uns sehr tief – auf unsere Werte, Bewertungen, ob wir unserer Lebensaufgabe gemäß leben oder dazu neigen sie geschickt zu umgehen, durch vordergründig wichtigere Pflichten, die wir willig annehmen weil wir noch einer „guten“ Rolle verhaftet sind. Sie prüft unsere Wurzeln und unseren Stand - worin fußt unsere Lebensgeschichte? Knüpft sie an das Vermächtnis der Ahnen an, oder haben wir eher das Gefühl isoliert zu stehen und uns behaupten zu müssen indem wir alles anders machen? Gelingt das? „Es ist wie es ist, schau hin ...“, diese einfache Botschaft vermittelt uns die Weisheit der dunklen Göttinnenkraft bei ihrem Besuch in der Steinziege. „Dein Leben hast du bisher so eingerichtet, wie es dir erscheint, akzeptiere es und nimm es an. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Schau dann auf Mängel und versuche sie auszugleichen. Fang jedoch immer bei dir selbst an.“ Andere wichtige Fragen könnten sein: „Wie treu bist du dir selbst? Was bist du bereit zwischen dich selbst und deine Absichten treten zu lassen? Wo tappst du immer wieder in die gleiche Falle? Von wem oder was lässt du dir die Kräfte rauben? Was ist der Preis den du dafür bezahlst, dass dich andere für gesellschaftlich akzeptabel halten? Entspricht dein Weg wirklich deinem innersten Bedürfnis oder führt er knapp daran vorbei? Kennst du das Geheimnis deiner Knochen und bist du bereit dich von ihren Erinnerungen führen zu lassen? Kannst du bis ins Mark erschüttert werden? Bist du bereit das zuzulassen, um deinen inneren Diamanten zu finden?
Schattenanteile im Brennpunkt
Während die Weise Alte unsere Knochen röntgt, könnte es auch passieren dass vorübergehend einige unserer Schattenanteile im Brennpunkt ihres einzigen Auges stehen. „Was sind die ungewollten, verbannten Vorstellungen von mir über die Welt, die mir das Leben erschweren? Wo reagiere ich wie ferngesteuert als liefe ein automatisches Muster ab, scheinbar ohne Wahl und ohne anderen Ausweg? Wann bin ich so wie ich es niemals sein wollte und welches Bedürfnis steckt dahinter?"
Unsere Knochen haben sehr lange schon tiefe Erfahrungen abgespeichert. Einige werden nun wohl geweckt werden, damit sie mit genug Hinwendung und Aufmerksamkeit erlöst werden können. Es kann auch sein, dass sie uns nun Weisheit zur Verfügung stellen für die wir jetzt erst reif geworden sind. Auf jeden Fall knüpfen sie an; an die Erfahrungen uralter Zeit und auch an das verlorene Wissen unserer Ahnen.
Die dunkle Göttin prüft ob unsere Knochen halten, ob sie gesund sind. Gut ist es sicherlich, sie auch auf der körperlichen Ebene vermehrt zu pflegen. Sie prüft, ob das was wir bis jetzt erreicht haben Bestand hat und bewahrt werden soll, oder ob es besser ist sich von zu engen Umständen und Selbstbildern zu trennen, damit sie uns nicht die Knochen brechen. Sie rasselt mit den Totenschädeln, eher ein wenig abweisend, nicht nur um uns so zu erschrecken dass wir in unserer Wirklichkeit aufwachen, sondern auch um herauszufinden, ob wir das Wissen aus der unsichtbaren Welt, ihrem Reich, in unser Leben hineintragen wollen. Sie will wissen wie ernst wir es meinen mit uns und unserem Leben, und ob wir uns unserer Wurzelkraft, die uns trägt, bewusst sind.
Eine intime persönliche Angelegenheit
Sie bringt vielleicht auch eine gewisse Einsamkeit mit sich. Denn die Knochen zu pflegen ist eine ganz intime persönliche Angelegenheit. Die Kraft die ganz von innen heraus strahlt, wirft uns erst mal auf uns selbst zurück. Sobald die Knochen verlesen sind und zu strahlen beginnen, werden die anderen von selbst berührt. Es bedarf dann keiner Mühe und Anstrengung mehr. Schwierig ist nur die Phase davor; sich die Zeit und Muse zu nehmen um den Röntgenblick einzuschalten und auszuhalten.
Die dunkle Göttin wird sich bis 2024 in der Steinziege aufhalten. Wir haben also eine Menge Zeit, um unsere Knochen zum Strahlen zu bringen und uns auf das zu reduzieren was uns wirklich ausmacht. Bleiben wir uns also so gut wir können selbst treu und röntgen mutig unsere inneren Ansinnen, auf dass sie Umstände schaffen die uns einen guten Halt geben.
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