Sternwelten

Letzte Änderung: 17. Nov. 2008

Astrologie Magazin Sternwelten
 

Das Schillerjahr

Von Monika Heer

Vielleicht haben unsere LeserInnen Schillers „Lied von der Glocke“ zu Schulzeiten auswendig lernen müssen, vielleicht ist auch der Eine oder die Andere im Deutschunterricht mit der Lektüre von Wilhelm Tell oder Maria Stuart regelrecht traktiert worden? Die Sternwelten-Redaktion hat jedenfalls im Juli und August mehr Spam-Mails als Einsendungen zum Schiller-Rätsel erhalten.

Auch das Schillerjahr 2005, zum zweihundertsten Todestag im Mai mit diversen Festveranstaltungen eingeläutet, will nicht so recht in Gang kommen, trotz neuer Biografien und Festivitäten scheint es schwierig, einen aktuellen Bezug zu Schillers Leben und seiner Gedankenwelt herzustellen.
Naturkatastrophen, Überschwemmungen und Neuwahlen in Deutschland bestimmen derzeit die Schlagzeilen. Reflexion und Kritik als ein Erbe der Aufklärung scheinen im öffentlichen Raum an Grenzen zu stoßen, Form zählt vor Inhalt, Politik als mediale Inszenierung folgt den Regeln der Werbepsychologie, Vernunft und Kalkül werden vor allem in den Dienst des Kapitals gestellt.

Trotzdem soll das Leben des Friedrich Schiller weiter erzählt werden. Wobei die Frage nach einer Aktualität Schillers in der heutigen globalisierten Welt durchaus gestellt werden soll. Fangen wir da an, wo wir letztes Mal aufgehört haben, bei der Uraufführung von Schillers erstem Drama „Die Räuber“. Fünf Stunden dauerte die Aufführung im Mannheimer Hof- und Nationaltheater, sie war ein Riesenerfolg und begründete Schillers Ruhm und Ruf als Autor.

Uraufführung „Die Räuber“ 13. Januar 1782 um 17 Uhr in Mannheim

Allerdings war dieser Erfolg als Schriftsteller gleichzeitig der Anfang vom Ende seiner Laufbahn in Diensten des Herzogs. Als (heimlich) schreibender Militärarzt, war Schiller ohne Urlaubsschein nach Mannheim gereist. Eine zweite, unerlaubte Reise brachte ihm 14 Tage Arrest ein, und als sich im Sommer die Schweizer des Kantons Graubünden bei Herzog Carl Eugen über „Die Räuber“ beschwerten, erhielt Schiller Schreibverbot: „Bei Strafe der Cassation schreibt Er mir keine Komödien mehr!“ So kam es dazu, dass Schiller am 22. September 1782 mit seinem Freund Johann Andreas Streicher die Garnison verließ und die Flucht nach Mannheim ergriff.

Heldenreise des jungen Schiller

Die astrologisch-symbolische Bedeutung dieser Tat(en) liegt auf der Hand, der junge Doktor muss sich gegen seinen Ersatzvater auflehnen, um den eigenen Weg zu finden. Herzog Carl Eugen, als Dienstherr und Gönner in einer Gestalt, verkörpert zugleich die Obrigkeit im damals noch absolutistisch regierten Vielvölkerstaat. Die Sonne ist als Symbol für die Ich-Werdung zu sehen, Saturn und Uranus als Symbole für Freiheit vom oder gegen den Staat. Gerade Saturn und Uranus zeigen aber auch das Thema der Mutation, es ist immer der Sprung aus der bisherigen Lebensform, manchmal auch ein Umzug, der mit der Verbindung dieser beiden gegensätzlichen Prinzipien einhergeht.

Ein Jahr zuvor, nämlich 1781, ist Uranus vom Astronomen William Herschel entdeckt worden. Astrologisch gesehen ist damit die Ära der Trans-Saturnier eingeläutet worden. Man könnte vielleicht sogar sagen, dass erst hier die Neuzeit beginnt. Oft genug sind die Schlagworte der französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ bemüht worden, um die Qualität der neuen Zeit und die Bedeutung dieses ersten Planeten jenseits von Saturn zu beschreiben.

Sehr schön ist nun im Horoskop der Uraufführung der laufende Saturn im Quadrat zum Uranus im Radix Schillers zu sehen, gleichzeitig bewegt sich selbiger Saturn über den Radix-Pluto. Die Freiheit, die Schiller für sich selbst einfordert und die im Zentrum seiner weiteren Arbeiten stehen sollte, hat ihren Preis: die Laufbahn als Militärarzt muss geopfert werden. Uranus im Transit über den Zwillinge-Mondknoten steht ebenfalls im Quadrat zum Radix-Uranus. Kein Wunder, dass ein Schiller zu diesem Zeitpunkt auf die saturnischen Disziplinarmaßnahmen des Herzogs mit wachsender Rebellion antwortet - und seine Schriftstellerei zum Beruf macht.

Ja - ein echter Löwe-Aszendent...

Dieses Jahr 1782, in dem Schiller seinen 23. Geburtstag feiern wird, ist gleichzeitig auch die Lebensmitte, denn der große deutsche Dichter ist ja nur knapp 46 Jahre alt geworden. Rückblickend erscheint es als Wendepunkt in seiner Biografie. Insofern dürfte hier, auch aufgrund der genau überlieferten Daten, ein Korrektur-Versuch Erfolg bescheren. Die Zeit von 23.40 Uhr mit dem späten Löwe-Aszendenten erscheint schlüssig, wenn Progressionen und Transite untersucht werden, eine Auflistung der wichtigsten Korrekturaspekte für diese Version folgt weiter unten.

Horoskop Friedrich Schiller Version 2

Friedrich Schiller, 10. November 1759, 23.40 Uhr, Marbach am Neckar

Die Entscheidung für den AC im Zeichen des Löwen, an Stelle des Skorpion-Aszendenten, liegt nahe. Allzu dominant ist das Sonne/Löwe Thema, auf der Bühne ebenso wie im realen Leben Schillers, auch wenn einige Helden seiner Dramen später Maria Stuart, Elisabeth oder Jeanne D`Arc heißen.

Im ersten Bühnenwerk „Die Räuber“ beschreibt Schiller einen Familienkonflikt zwischen zwei ungleichen Brüdern, Karl und Franz Moor, und deren Vater. Das Drama ist aber auch ein Angriff auf die Zustände am Hof und gegen die bestehende Gesellschaftsordnung. Karl, der ältere Bruder, empört sich gegen das Kastratenjahrhundert und eine verweichlichte Gesellschaft. Er kritisiert die Schamlosigkeit des moralisch verdorbenen und bestechlichen Regimes.
Seine Träume von einem besseren Leben, in dem Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit herrschen, zerbrechen aber an den realen Verhältnissen. Es ist Neptun, der die Skorpionsonne im vierten Haus über ein Quadrat in Frage stellt. Ein Neptun, der gleichzeitig Saturn und Uranus im Fischezeichen regiert. Und ein Neptun, der 1759 noch gar nicht gesichtet war, so dass wir vielleicht erst heute im Rückblick diese Meta-Ebene in Schillers Werk begreifen können.

Freiheit ist nur in dem Reich der Träume...

Die unmittelbar darauffolgenden Dramen „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“, „Kabale und Liebe“ sowie „Don Carlos“ konfrontieren den Zuschauer mit jeweils einzelnen Figuren, die als Individuen gezeichnet sind, sich aber dennoch exemplarisch als Typen in die gesellschaftliche Struktur der damaligen Zeit einordnen lassen. Schiller stellt weiter Familienkonflikte in seinen Dramen dar, passend zur Sonne in Haus 4, gleichzeitig sind die Auseinandersetzungen zwischen Bürgertum und Adel ein zentrales Motiv seiner Frühwerke. So schildert er in „Kabale und Liebe“ die Problematik einer nicht standesgemäßen Verbindung.

Immer wieder werden seine Helden schuldig am Gesetz, werden zerrieben zwischen individueller Moral und den gesellschaftlichen Forderungen. Spannend ist die Tatsache, dass Friedrich Schiller als Selfmade-Autor für hohe Auflagen seiner Werke sorgte, sich dafür sogar verschuldete und mit diesen Aktionen kurz vor Ausbruch der französischen Revolution so etwas wie eine Gegen-Öffentlichkeit zur herrschenden Meinung schuf. Die Problematik der menschlichen Freiheit ist hierbei das große Leitbild: wie passend für diesen Fische-Uranus im achten Haus!

Und durch Kunst sollten die Menschen zur Freiheit erzogen werden. Man ahnt die Bedeutung der Waage-Venus im dritten Haus. Seine programmatischen Schriften zu diesem Thema sind in der Auseinandersetzung mit seinem Freund Johann Wolfgang von Goethe entstanden. Warum diese Zwei sich zunächst nicht leiden konnten, dann aber doch das Dichterpaar der deutschen Klassik wurden, wird beim nächsten Mal erzählt.

Korrekturdaten für die 23.40 Uhr Horoskopversion

16. Januar 1773 - Schiller tritt auf Befehl des Herzogs Carl Eugen in die militärische Karlsschule ein
AC prog läuft in die Opposition zu Saturn
13. Januar 1782 - Uraufführung „Die Räuber“ in Mannheim
Merkur prog in Konjunktion mit der Spitze des 5. Hauses
Merkur prog in Konjunktion mit Pluto, der in dieser Version Spitze 5 steht
Saturn tr Spitze Haus 5
Uranus tr Konjunktion Mondknoten in 11
22. September 1782 - Flucht Schillers nach dem Schreibverbot durch den Herzog
MC prog bildet ein Quadrat zum Radix-Saturn
1794 - Beginn der Freundschaft mit Goethe
Uranus Konjunktion AC
9. Mai 1805 - Schiller stirbt
MC prog bildet eine Konjunktion mit dem aufsteigenden Mondknoten

 

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