Sternwelten

Letzte Änderung: 17. Nov. 2008

Astrologie Magazin Sternwelten
 

Carl Gustav Jung

Von Gertrud Hamers

Carl Gustav Jung Horoskop

Abbildung: Horoskop Carl Gustav Jung (Koch Häuser)

Carl Gustav Jung 26. Juli 1875 18h43 UT Kesswil/CH Quelle: Taeger

Carl Gustav Jung war zunächst Schüler, dann Mitarbeiter Sigmund Freuds. Er trennte sich von Freud und begründete eine eigene Lehre: Die analytische Psychologie.

C.G. Jung, der nicht nur an der Universität Basel und an der TH Zürich lehrte, sondern auch als Psychiater und Psychotherapeut arbeitete, bezog astrologisches Wissen in seine Analysen mit ein. Die Traumdeutung, meditative Techniken und künstlerische Gestaltung als therapeutische Form sind nur einige Gebiete, die er mit seinen Forschungsergebnissen befruchtete.

Nachdem ich einige seiner Schriften und biographische Bücher über seine Lebensstationen gelesen hatte, interessierte mich natürlich auch das Horoskop dieses Menschen. Hatte er eine starke Jungfraubetonung, die seine analytischen und wissenschaftlichen Erfolge erklären könnte? Oder lag eine Skorpion-Betonung vor, die das Vordringen in Seelentiefen begründen würde? Neptunisches oder eine gute Portion Fischequalität vermutete ich auch, denn woher sollte sonst dieses Interesse für Träume herkommen? Da er aus einer Pfarrerfamilie stammte, vermutete ich noch eine Jupiter-Dominanz mit einem Schuß Uranus vielleicht, der ihn bei der notwendigen Lösung von kirchlichen Dogmen unterstützt haben könnte.

Das alles waren vorgefaßte Meinungen und Vermutungen. Gerade wir Astrologen gehen ja oft mit Voreingenommenheit ans Werk. Wir denken, wir können einen Menschen durchleuchten, meinen zu wissen, was in etwa in ihm vorgeht, und übersehen dabei, daß auch wir eine enge Brille haben, die nur das sieht, was in unseren eigenen Erfahrungs- und Wahrnehmungsmöglichkeiten liegt. So kann man mit einem solchen Vorurteil ganz schön daneben liegen, weil das Leben des Betroffenen aus anderen Fäden gestrickt ist als unser eigenes.

Es ist eine sehr empfehlenswerte Übung, die Biographie eines Menschen zu studieren oder etwas über sie zu lesen, sich dann Gedanken zu machen, welche Schwerpunkte sein Horoskop unserer Meinung nach aufweisen müßte, und erst danach dessen Horoskop zu studieren. Sicher werden wir sogar dann geneigt sein, unsere Vermutungen "durchzusetzen", selbst wenn wir ein wenig "biegen" müssen. Doch wir könnten auch mit Staunen feststellen, daß vielleicht nur ein Teil unserer Vorwegeinschätzung dem gegebenen Fall entspricht.

Das Horoskop C.G. Jungs

Das Horoskop C.G. Jungs zeigt nicht die vermutete starke Jungfraubetonung. Jungfrau im 8. Haus ohne jeden Planeten, das ist schon ein wenig schwach. Das Skorpionische scheint auch nicht gerade im Vordergrund zu stehen, es sei denn, wir gehen von einer 12-minütigen Zeitdifferenz bei der Geburt aus, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Dann wäre Pluto dominant, direkt auf dem IC stehend. Doch da geraten wir bereits in den Bereich der Spekulation, des "Zurechtbiegens". Bei Neptun werden wir zumindest nicht enttäuscht. Ein exaktes Quadrat zur Löwesonne, Zeichengleichheit mit dem Mond und ein weites Quadrat zum Aszendenten, das alles zusammen ergibt bereits eine neptunische Betonung. Die Bereitschaft, Astrologie als Arbeitswerkzeug zu benutzen, können wir Saturn im Wassermann zuordnen. Saturn - wenn auch im eingeschlossenen Zeichen im ersten Haus stehend - bildet ein Quadrat zur IC/MC-Achse und bedenkt Schütze-Mars und Chiron im Widder mit einem Sextil. Gründlichkeit und Praxisnähe erkennen wir an der starken Stier-Besetzung, wobei Mond im Stier ein Quadrat zu Uranus aufweist und somit auch hier die Offenheit für außergewöhnliche Betrachtungsweisen unterstützt. Venus und Merkur, in 6. im fürsorglichen Krebszeichen stehend, scheinen somit die analytische Arbeit mit der kranken Seele zu umschreiben. Zugewandtheit und Liebe zum kranken Menschen erkennen wir sowohl aus der 6. als auch aus der 7. Hausbesetzung. Sogar den gestrengen Vater können wir finden. Jupiter im 9. Haus beschäftigt sich mit Glaubensangelegenheiten und bildet hier einen Trigon-Aspekt zu Saturn in 1, beide Planeten ein Sextil zu Mars in 11. Somit scheint dieser Vater für das Selbstbewußtsein, die Weltanschauung und das soziale Engagement kräftige Samen in das Kind gelegt zu haben. Ob C.G. Jung sich zeitlebens diesem starken Vater verpflichtet gefühlt hat, seine Leistung auch ein Tribut an ihn war? Pluto Quadrat Saturn, Skorpion am MC, Sonne Quadrat Neptun, Quadrat Chiron könnten das vermuten lassen.

Die Dispositorenkette

Betrachten wir die Dispositorenkette, um ein Erfahrungsscript zu ermitteln.
Wir sehen 2 Komplexe. Sobald in der Dispositorenkette nicht alles an einem Gebilde hängt, haben wir es mit getrennten oder abgespaltenen Lebensbereichen zu tun. Es besteht die Möglichkeit, einen Komplex zu verdrängen und sich nur dem anderen zu widmen. Dies führt über kurz oder lang zu Störungen, da ungelebte Kräfte sich nicht endlos unterdrücken lassen, ohne zu revoltieren. In der Regel sind die Abspaltungen dem Menschen nicht bewußt. So lebt er so lange vorwiegend im einen Bereich, bis ihn eine Krise in den anderen zwingt. Oder er ist permanent frustriert und gestresst, weil er beide Bereiche nicht zusammenbringen kann. Die Chance einer solchen gespaltenen Kräfteverteilung liegt in der größeren Konzentrationsfähigkeit. Befindet man sich bei einem Teil, so kann man den anderen vergessen. Das fällt einem Menschen, der alles an einer Kette hängen hat, wesentlich schwerer. Wir können effektiver vorgehen, wenn uns weniger ablenkt. Doch sollten wir bewußt dem anderen Teil einer so gespaltenen Dispositorenkette seinen Raum geben, um nicht an der Einseitigkeit zu erkranken. Die Kunst liegt hier im Nacheinander und nicht im Gleichzeitigen.

Streben alle Kräfte einem Ziel entgegen, so sind wir mehr darauf angewiesen, daß kein "Sand ins Getriebe" kommt, denn sonst bricht unter Umständen das ganze Vehikel zusammen Sind es dagegen mehrere Komplexe, so können diese "Teilpersönlichkeiten" jeder für sich das Steuer übernehmen und den vielleicht gerade "unlustigen" oder "kränkelnden" Teil in eine Erholungspause schicken. Beide Varianten haben also ihre Vor- und Nachteile.

Ein Komplex der Kette von C.G. Jung enthält die Folge von Aszendent, Saturn, Uranus, Sonne.
In der Regel erleben wir die Ketten zunächst von unten nach oben. Die meisten Menschen durchlaufen längere Zeit diese Reihenfolge, bevor sie bewußt an die Zügelung ihrer Kräfte denken und nach besseren Lösungen suchen.

Ein wenig später mag er die Erfahrung gemacht haben: - Immer wenn ich in Erscheinung trete, wird an mir herumgemeckert, werde ich belehrt (SA) und das geht mir ganz enorm auf die Nerven (UR), denn schließlich bin doch auch ich jemand. -

In der Jugend- und Studentenzeit steht dieser Teil der Dispositorenkette für eine gegen Regeln und "alte Zöpfe" revoltierende Geisteshaltung.

In reiferer Form, von oben nach unten gelebt, auf dem Weg zum Individuationsprozeß versucht ein stabiles Ich, ein gestärkter innerer Kern (SO) neue Erkenntnisse (UR) in prägende Form (SA) zu bringen und sie auf die Bühne des Lebens (AC) zu tragen. Schon allein das Wort "Individuation" scheint dieser Kette wie auf den Leib geschrieben. Die Integration und somit Befreiung von Schattenanteilen (SA; UR) als Wege zur Ganzheit (SO) ist eine mögliche Übersetzung dieser Teilkette. Mit einem solchen Seelenanteil kann man sich nicht auf Dauer der Meinung anderer unterordnen. Man muß eigene, originellere, erfinderische Wege gehen, um diesem Potential gerecht zu werden.

Gehen wir zum zweiten Komplex über: Hier befinden sich alle "Gefühlsplaneten" (VE; MO; PL; NE) in trauter Gemeinsamkeit. Man könnte meinen, diese Kette enthält den Leidensweg der Seele, der dann zu der oben beschriebenen geistigen Befreiung führt.

Am Anfang steht die innere Wunde und das wahrscheinliche Ahnen eines inneren Entwicklungsauftrages (Chiron, Mondknoten). Vielleicht mußte der kleine Carl Gustav immer wieder seine Scheu überwinden, wenn er auf die Straße gehen sollte und den Menschen begegnete, die ihn alle als den Sohn des Pfarrers wahrnahmen (Chiron in 3). Dazu kam ein Mangel an Selbstsicherheit (NN in 2) und Durchsetzungsvermögen (NN in AR). Auf der zweiten Ebene finden wir jedoch Mars, den Kämpfer, der sich offensichtlich doch für seine Ziele einsetzen will. Der missionarische Eifer des Jungen wird offensichtlich in der nächsten Stufe gebremst. Die Macht des Glaubens, der Weltanschauung, die religiöse Familienbasis wirkt wandelnd und auflösend und scheint schon früh den fürsorglichen Dienst am Nächsten als oberste Priorität gesetzt zu haben. Sich den Gegebenheiten anpassend (absteigender Mondknoten in Waage) wird er sich seinen von ihm geforderten Pflichten gestellt haben, (VE in 6, ME 6, DC) um die ersehnte Sicherheit und Geborgenheit bei Mutter und Familie zu erhalten.

Hier liegt ein sich anpassender, Harmonie und Fürsorge vermittelnder Persönlichkeitsanteil, der so manche seelische Krise (VE,ME in CN in 6) überstehen mußte, bevor er zur innewohnenden Geborgenheit fand.

Auf der 3. Stufe von unten findet wohl auch der Wandel der Weltanschauung statt. Jupiter, Neptun, Pluto, IC und absteigender Mondknoten auf einer Ebene erzählen von anfänglicher Begeisterung und selbstlosem, machtvollen - vielleicht auch vom Elternhaus erzwungenen - Eifer in religiösen Fragen. Mit der Zeit könnte der Druck des Glaubens oder der Familie zu groß geworden sein. Hinzu kam das Nachdenken über und Kommunizieren mit Bezugspersonen, die mit Mond in 3 als Herrscher des DC sicher nicht nur im Familienkreis zu finden waren, sondern auch in der Gemeinde oder der näheren Umgebung. Vielleicht waren darunter auch Menschen in Not, deren Leid Jung lindern wollte und deren Fürsorge er übernahm.(VE in CN in 6).

Auf der obersten Stufe finden wir bei diesem Komplex Mond in 3 und Venus in 6. Die Beziehung zum Seelischen beherrscht demnach diese Kette. Ob nun mit Menschen in seinem Umfeld über seelische Phänomene bei Menschen in Krisen (VE 6) gesprochen wurde, oder in späteren Jahren darüber referiert und doziert wurde, die astrologische Symbolik ist jedenfalls sehr treffend. Hier geht der Weg zu Beziehungen über philosophische, idealistische Auseinandersetzungen.

Jede Beziehung hat bei C.G. Jung den Bezug zum Seelischen. Als Psychiater und Psychotherapeut hat er wohl die Kette von oben nach unten gelebt. Der Kontakt zur Seele der Menschen bestimmt das Gespräch mit jedem Gegenüber. Er beeinflußt die eigene Basis, die eigene Familie, läßt mit Macht die eigenen Ziele verfolgen.

In diesem Stadium wird auch die 2. Kette sicherlich von oben nach unten gelebt. Er findet neue Wege der Befreiung für seine Patienten (Sonne und Uranus in 7) und dadurch zu einer eigenen Struktur und Verantwortung. Seine Entdeckungen bestimmen und formen sein Selbstbild und sein Auftreten in der Welt (Saturn in 1 als Herrscher des AC).

Es ist anzunehmen, daß C.G. Jung die Sonnenkette im Außen lebte, während die mit dem Mond verbundenen Prozesse sich eher in seinem Inneren abgespielt haben. Seine Biographie berichtet, daß er sich oft in sein selbsterbautes Turmzimmer zurückzog, um dort in der Abgeschiedenheit seinen Forschungen nachzugehen.

Weiteres ...
Die Interpretation der Dispositorenkette

 

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